Nachrichten aus der Gemeinde

Wider die Angst

Pfr. Tim Fink / Allgemein

Tagesandachten in Zeiten von Corona / Angst; Hoffnung; Ostern; Auferstehung; Tod / Psalter 22; Johannes 16,33

 

Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen!

 

Tagespsalm

BasisBibel: Das Neue Testament und die Psalmen Psalmen 22

 

Von Gott verlassen – und gerettet

Der Leidenspsalm Jesu*

22 1 FÜR DEN CHORLEITER. NACH DER MELODIE: HIRSCHKUH DER MORGENRÖTE. EIN PSALM, MIT DAVID VERBUNDEN.

  2 »Mein Gott, mein Gott,
  warum hast du mich verlassen?«
    Weit entfernt ist meine Rettung.
    Ungehört verhallt mein Hilfeschrei.
  3 »Mein Gott«, so rufe ich am Tag,
  doch du gibst keine Antwort.
    Und so rufe ich in der Nacht,
    doch nur Schweigen umgibt mich.
  4 Du aber, du bist der Heilige!
    Du thronst über den Lobgesängen Israels!*
  5 Auf dich vertrauten schon unsere Eltern.
    Sie vertrauten darauf, dass du sie rettest.
  6 Sie riefen zu dir und wurden gerettet.
    Auf dich haben sie sich verlassen
    und wurden nicht enttäuscht.

  7 Aber ich bin ein Wurm* und kein Mensch mehr –
    ein Gespött der Leute und verachtet vom Volk!
  8 Alle, die mich sehen, lachen nur über mich.
    Sie spitzen die Lippen, sie schütteln den Kopf:
  9 »Soll er doch seine Last auf den HERRN abwälzen!*
  Dann soll der ihn auch retten!
    Dann soll der ihn aus dem Elend reißen.
  Schließlich ist er ja sein Freund!«

  10 Ja, du hast mich aus dem Mutterleib gezogen.
    An der Mutterbrust lehrtest du mich Vertrauen.
  11 Auf dich bin ich angewiesen seit meiner Geburt.
    Vom ersten Atemzug an bist du allein mein Gott!
  12 Bleib nicht fern von mir! Denn die Not ist so nahe.
    Und sonst habe ich niemand, der mir hilft.

  13 Stiere ohne Zahl haben mich umstellt.
    Baschan-Büffel* halten mich umringt.
  14 Da sperrt einer sein Maul auf, um mich zu packen –
  es ist ein reißender und brüllender Löwe!
    15 Ich fühle mich wie ausgeschüttetes Wasser
    und habe keine Gewalt mehr über meine Glieder.
  Mein Lebensmut ist weich wie Wachs,
    dahingeschmolzen in meinem Innern.
  16 Trocken wie eine Tonscherbe* ist meine Kehle
    und die Zunge klebt mir schon am Gaumen.
    So bettest du mich in den Staub* zu den Toten.

  17 Ja, Hunde rotteten sich um mich zusammen!
    Eine Meute von Bösen hat mich eingekreist –
  wie ein Löwe, der bereit ist zum Sprung,
    um mich an Händen und Füßen zu packen.
  18 Schon zähle ich alle meine Knochen.
    Sie aber schauen zu, sie gaffen mich an.
  19 Schon verteilen sie meine Kleider unter sich
    und werfen das Los* über meinen Mantel.
  20 Doch du, HERR, bleib nicht fern von mir!
    Du bist meine Stärke, hilf mir schnell!
  21 Bewahre mein Leben vor dem Schwert,
    mein einziges Gut vor der Gewalt der Hunde!
  22 Rette mich aus dem Rachen des Löwen
    und vor den Hörnern der Wildstiere!
    – Mein Gebet hast du erhört. –

  23 Ich will meinen Schwestern und Brüdern
  von deinem Namen* erzählen.
    Im Kreis der Gemeinde will ich dich loben.
  24 Die ihr den HERRN verehrt, lobt ihn mit mir!
  All ihr Nachkommen Jakobs, gebt ihm die Ehre!
    Lasst euch ergreifen von seiner Herrlichkeit,
    all ihr Nachkommen Israels!
  25 Denn das Elend, das mich Armen bedrückt,
    hat er nicht übersehen und nicht missachtet.
  Sein Angesicht hat er nicht vor mir verborgen.
    Er hat mich gehört, als ich um Hilfe schrie.
  26 Von dir geht mein Lobgesang aus
  und erschallt in der Festversammlung.
    Vor den Augen deiner Gemeinde
    will ich meine Gelübde* erfüllen:
  27 »Arme sollen essen und satt werden.
    Die den HERRN suchen, sollen ihn loben.«
    Bekommt also neuen Lebensmut, für immer!

  28 Alle Länder der Erde sollen daran denken
  und zu dem HERRN umkehren!
    Die ganze Gemeinschaft der Völker
    soll vor ihm auf die Knie fallen!
  29 Denn das Königreich gehört dem HERRN.
    Er ist der Herrscher über die Völker.
  30 Alle sollen vor ihm auf die Knie fallen,
  die im Vollbesitz ihrer Kräfte stehen!

Gebet

Gott,

Angst und Bange machen mich die Tage.

Alles hat sich verändert.

Das was heute Morgen noch gewiss war, ist es mittags nicht mehr unbedingt.

Wo bist du frage ich mich manchmal.

Warum machst du nicht alles wieder gut?

Gott,

ich bitte dich, sei bei mir in meiner Angst.

Sei bei mir in meinen Stunden der Sorge.

Lege bitte deine Hand auf meine Schulter und sage mir, dass du mich und alle Menschen nicht verlassen hast.

Amen!

 

Tagesgedanken

Ich gebe es zu. Diese Tage sind beängstigend. Dinge sind eingetreten, die ich mir nicht habe vorstellen können. Das öffentliche Leben ist nun mehr oder weniger fast ganz zum Erliegen gekommen. Schwere und schmerzhafte Einschränkungen müssen in Kauf genommen werden. So kann ich meine Eltern oder meine Großmutter nicht besuchen, da sie zur Risikogruppe gehören.

Das beschäftigt meinen Kopf immer mal wieder. Werden sie gut durch die Zeit kommen? Werden sie gesund bleiben? Werde ich mich von einen von ihnen verabschieden müssen? Und wenn ich einmal anfange, dann fängt das Karussell an sich zu drehen. Dieses Karussell hat sogar einen Namen: Angst.

Dieses Angstkarussell dreht sich fleißig und immer schneller. Es muss unheimlich aufgepasst werden, dass es einen nicht gefangen nimmt. Dreht es sich auf einmal zu schnell, dann ist es fast unmöglich aus zu steigen. Und das wirklich perverse: Wir selbst sorgen dafür, dass es sich immer schneller dreht. Denn unser Kopf entdeckt einen noch immer schrecklicheren Gedanken, den es mit den tollsten Schwarztönen ausmalen kann. Dieses schwarze Bild ist dann der Treibstoff für unser eigenes Angstkarussell in der Welt.

Auch die Jünger*innen Jesu kannten schon dieses Gefühl. Vor allem, als sie merkten, dass Jesus nicht mehr lange bei ihnen bleiben wird und in Lebensgefahr ist. Jesus spricht ihnen in dieser Situation Trost zu, bei der er ihre Angst wahrnimmt. Er spricht zu ihnen: “In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.” (Joh 16,33b)

Gerade den ersten Teil des Verses finde ich wichtig. Jesus betont, dass es scheinbar normal ist, dass wir in der Welt Angst haben. Es gehört somit zu unserem Dasein dazu. Angst kann ja auch seine Vorteile haben. Angst kann uns schützen große Dummheiten zu machen. Aber, und das betont Jesus mit seiner zweiten Satzhälfte, wir dürfen uns von ihr nicht einnehmen lassen. Wir sollen ebenso getrost sein. Wir sollen also ruhig und zuversichtlich sein. Mit anderen Worten, wir dürfen Hoffnung haben.

Als Christ*innen haben wir diesen Zuspruch der Hoffnung, dass selbst der Tod keine Macht hat. Auch in unserer akuten Angst und Sorge dürfen und sollten wir uns das Licht der Osterbotschaft in unseren Herzen entflammen. Christus hat selbst den Tod besiegt und wir dürfen Hoffnung und Zuversicht in unserem Leben haben. Wir brauchen und dürfen uns nicht von unserer eigenen Angst bezwingen lassen, weil wir sonst die Schönheiten der Schöpfung nicht sehen können.

Amen!

 

Bekenntnis

Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage
soviel Widerstandskraft geben will,
wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst
vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube,

dass Gott kein zeitloses Fatum ist,
sondern dass er auf aufrichtige Gebete
und verantwortliche Taten wartet und antwortet.
 
     Dietrich Bonhoeffer

 

Segen

Gott, guter Vater,
segne meine Seele,
dass sie Dir entgegenstrebt –
segne meine Gedanken,
dass sie mich vorwärtstragen –
segne meine Worte,
dass sie Gutes bewirken –
segne meine Handlungen,
dass sie Deine Handschrift tragen –

Gott, guter Vater,
segne Du das Kind in mir
und in den Menschen,
die mir lieb und wertvoll sind.

Amen.

(Sylke-Maria Pohl)

Losung

Losung und Lehrtext für Samstag, 28. März 2020:







Jesus Christus spricht: Wachet!

Mk 13,37 (L)