Nachrichten aus der Gemeinde

Der Gedanke zur Mitte der Woche

Die königliche Hochzeit

1 Und Jesus fing an und redete abermals in Gleichnissen zu ihnen und sprach: 

2 Das Himmelreich gleicht einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. 

3 Und er sandte seine Knechte aus, die Gäste zur Hochzeit zu rufen; doch sie wollten nicht kommen. 

4 Abermals sandte er andere Knechte aus und sprach: Sagt den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet und alles ist bereit; kommt zur Hochzeit! 

5 Aber sie verachteten das und gingen weg, einer auf seinen Acker, der andere an sein Geschäft. 

6 Die Übrigen aber ergriffen seine Knechte, verhöhnten und töteten sie. 

7 Da wurde der König zornig und schickte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an. 

8 Dann sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Gäste waren's nicht wert. 

9 Darum geht hinaus auf die Straßen und ladet zur Hochzeit ein, wen ihr findet. 

10 Und die Knechte gingen auf die Straßen hinaus und brachten zusammen, alle, die sie fanden, Böse und Gute; und der Hochzeitssaal war voll mit Gästen. 

11 Da ging der König hinein zum Mahl, sich die Gäste anzusehen, und sah da einen Menschen, der hatte kein hochzeitliches Gewand an, 

12 und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen und hast doch kein hochzeitliches Gewand an? Er aber verstummte. 

13 Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn in die äußerste Finsternis! Da wird sein Heulen und Zähneklappern. 

14 Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.

Liebe Geschwister,

die Kirche Jesu Christi hat in ihren 2000 Jahren Geschichte nicht immer gerade die größten Ruhmesblätter geschrieben. Ich finde vielmehr, dass die Geschichte der Kirche oftmals dem gerade vorgelesenen Gleichnis vom Himmelreich ähnelt.

Ähnlich wie der König, will die Kirche die Leute zu etwas Besonderem einladen. Nämlich, dass der Sohn des Königs der Welt auf uns und auf die Andersartigkeit der Menschen eingelassen hat. Die Kirche will immer wieder einladen zu erfahren, dass sich Gott in einem Menschen offenbart hat und wir Menschen Gott alles andere als egal sind. Und so beauftragt die Kirche zunächst einmal jedes seiner Mitglieder und manche im Besonderem Leute einzuladen, damit sie an der Festtafel Platz nehmen.

Und so gehen dann die die in der Nachfolge Jesu stehen aus. Sie wollen andere Einladen. Aber wie das so ist, wenn Einladungen verschickt werden, gibt es auch immer wieder Menschen die anderes vor haben. Sie stürzen sich lieber in die Arbeit und die Beschäftigungen der Welt. Es gibt sie immer wieder. Die Menschen die keine Lust haben sich zu öffnen für das Neue. Sie gehen lieber ihrer Arbeit auf ihren Äckern nach oder ihren anderweitigen Geschäften. Sie wollen ihren Blick nicht öffnen für den weiteren Horizont, der sich ihnen eröffnen könnte. Doch anstatt, dass die Kirche es akzeptierte, dass manche nicht der Einladung folgen wollen, reagierte die Kirche in ihrer Geschichte immer wieder mit wahnsinniger Gewalt, die wahrlich nicht unbedingt zu den Ruhmesblättern gehören. Ketzerprozesse, Kreuzzüge und später die Inquisition vor allem von vielen protestantischen Seiten, das sind einige unrühmliche Beispiele für die wir uns ins Büßergewand schmeißen müssen.

Solche aus meiner Sicht schändliche Taten, konnten unsere Vorfahren und Mitgeschwister eigentlich nur deshalb begehen, weil sie nicht beachteten, zu was sie eingeladen sind. Sie sind eingeladen zu einer Hochzeit. Und das bestimmende Thema einer Hochzeit ist die Liebe. Bei einer Hochzeit wird gefeiert, dass zwei Menschen sich so sehr lieben, dass sie den gemeinsamen Weg ab sofort für alle sichtbar weiter gehen wollen und der Welt zeigen wollen, dass die Liebe größer und stärker ist als alle Schlechtigkeiten der Welt.

In der Kirche geht es aber nicht um eine rein menschliche Liebe, sondern der Liebe Gottes zu den Menschen und umgekehrt der Liebe der Menschen zu Gott. Diese göttliche Liebe, die uns durch die Taufe zugesprochen wird, ermöglicht es den Kern der wahren Liebe zu verkünden und zu leben versuchen. Eine Liebe, die dann wahr ist, wenn der Freund in Gott geliebt wird, als auch der Feind wegen Gott geliebt wird. Wie sie aussehen kann im göttlichen Ideal wurde uns ja durch das Leben Jesu bereits einmal vorgelebt. Er ging auch auf seine Widersacher mit Freundlichkeit und Liebe zu, anstatt sie zu schmähen, zu schlagen und zu töten, reichte er Ihnen die Hand um einen Wandel zu bewirken.

Einen solchen Wandel können auch wir in der Kirche begehen. Denn auch die Kirche und mit ihr die in der Nachfolge sind, hat die Möglichkeit sich zu wandeln. Einer der wichtigsten Wandel können wir in der Kirche dann erleben, wenn sie sich darauf einlässt wahrzunehmen, dass sie nicht perfekt ist und erst dann schön wird, wenn sie sich für alle öffnet. Für die guten und die schlechten Menschen. Ein Ort wo alle zusammenkommen können. Ein Ort an den elitäre Einstellungen, a la wir sind besser als andere, nicht stimmt, sondern die Bereitschaft herrscht sich wandeln zu wollen. Kirche wird dann zum Himmelreich, das zum Hochzeitsmahl einlädt, wenn sie bereit ist Differenzen auszuhalten. Sie kann es dann, wenn sie wahrnimmt, dass sie schon immer ein gemischtes Gebilde war. Ein Gebilde in welchem Reiche und Arme; Akademiker und Malocher; Fromme und anders Fromme; Ehrliche Seelen und ehrliche Halunken schon immer aufeinander stoßen konnten und nach dem Willen Jesu auch sollten.

Denn die Kirche die sich aus der Botschaft Jesu als die Hochzeitsgesellschaft gegründet hat, verstand und versteht sich ja in der Nachfolge Jesu. Jeder und Jede von uns steht durch die Taufe in dieser Nachfolge und ist an den Mahlstisch eingeladen. Jedoch muss man sich auch darauf einlassen können und wollen. Und hier ist ja oftmals die Crux. Denn schauen wir doch mal ganz tief in unsere eigenen Seelen. Wie bereit für einen Wandel sind wir wirklich? Gibt es da nicht doch immer etwas, dass uns daran hindert uns für das Neue zu öffnen, dass die alte Botschaft in der Moderne neu zu leuchten bringt? Ziehen wir nicht allzu gerne die alten Lumpen an, weil sie uns bequemer erscheinen, als uns für das Neue zu öffnen? Da hängt der eine vielleicht an einem Schicksalsschlag den er bis heute nicht verkraftet hat und wird dadurch verbittert und verschließt sich allem Neuen. Da träumt eine Andere von uns vielleicht an die alten Tage zurück wo noch in ihren Augen Zucht und Ordnung herrschte und nicht Sodom und Gomohra in der Kirche. Die Zeiten damals, wo Leute deswegen ausgeschlossen wurden, weil sie nicht so lieben, wie der Großteil der Gesellschaft es scheinbar macht und genau dieser Großteil hinter verschlossenen Türen vielleicht doch ganz anders handelt, als sie es öffentlich zugibt.

Ja für den Gang zum königlichen Hochzeitsmahl muss jeder und jede bereit sein aus dem Gewohnten auszusteigen. Denn nicht das Behalten des alltägliche und des gestrigen ist das was Jesus verkündet hat. Jesus verkündete das Bedenken und Verändern. Er forderte, dass wir Menschen uns wandeln sollten, um uns für die Liebe Gottes zu öffnen. Denn nur wenn die Bereitschaft da ist, sich für die Liebe zu öffnen, kann es ausgehalten werden, dass wir alle nebeneinandersitzen können. Die Guten und die Schlechten; die schönen und die hässlichen; die Klugen und die Dummen; die Reichen und die Armen; Kurzum alle. Und dennoch, dennoch muss man bereit sein an dem Tisch sitzen zu können und zu wollen, denn der Tisch Herr lässt nur die dort sitzen, die sich wirklich wandeln wollen. Die die sich nicht wandeln wollen schmeißt er raus. Nicht, damit sie dem Tode preisgegeben sind, sondern damit sie erkennen, wie sehr sie noch gebunden und nicht bereit sind sich für die Offenheit und Liebe Gottes zu öffnen.

Pfarrer Tim Fink

 

 

Losung

Losung und Lehrtext für Samstag, 15. August 2020:

Bedrückt nicht die Witwen, Waisen, Fremdlinge und Armen!
Sacharja 7,10

Was gering ist vor der Welt und was verachtet ist, das hat Gott erwählt.
1.Korinther 1,28


Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.

1.Kön 19,7 (L)

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