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Predigt zur Christnacht

In der Christmette am Heiligen Abend buchstabiert Pfarrerin Dr. Daniela Opel-Koch das Wort Weihnacht und nimmt die Zuhörer damit auf eine Reise durch das Wunder der Weihnacht.

Jeder Sonn- und Feiertag wird mit einem biblischen Vers überschrieben. Für die Christnacht schreibt der Liturgische Kalender einen Satz aus dem Johannes-Evangelium vor: Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit. Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns. So viele eingängige w-Wörter zur Weihnachtszeit!

Heftet man sich an diesen charmanten Gedanken, kommen sogleich weitere wunderbare Wortverbindungen an die Oberfläche: Winter Wonderland, wohlige Wärme, weiße Weihnacht, Wintersonnwende, warmherzige Wünsche, weinfröhliche Wigilia… Ja, das alles verbinden wir mit Weihnacht, mit der Heiligen Nacht… und aus einer poetischen Denkübung wird die Predigt für diese Mette… Lehnen Sie sich zurück, hoffentlich satt und zufrieden und buchstabieren Sie mit mir die Weihnacht…

W-Wörter haben wir schon gesammelt, ein ganz Wesentliches aber fehlt noch, nämlich „Wunder“. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst. Die Geburt eines Kindes wird grundsätzlich als Wunder bezeichnet und das ist es auch. Ein fertiger Mensch kommt aus einem anderen Menschen hervor.

Sicher war es vor rund 2000 Jahren auch ein Wunder, dass der Sohn von Maria und Josef unter schlimmen Bedingungen geboren wurde. Dass Maria und er das unbeschadet überstanden haben, grenzt an ein Wunder, würde die BILD heute titeln. Wunder – ein unerklärliches Ereignis, etwas Außergewöhnliches, das Staunen und
Verwunderung auslöst… und Jesu Geburt ist natürlich noch in einer ganz anderen Dimension ein Wunder. Gott selbst wird Mensch.

Ich möchte an dieser Stelle Dietrich Bonhoeffer zitieren, der diesen Titel Jesu Wunder-Rat folgendermaßen ausgelegt hat: "Wunder-Rat – heißt dieses Kind. In ihm ist das Wunder aller Wunder geschehen, aus Gottes ewigem Rat ging die Geburt des Heilandkindes hervor. In der Gestalt eines Menschenkindes gab Gott uns seinen Sohn, Gott ward Mensch, das Wort ward Fleisch (Johannes 1, 14). Das ist das Wunder der Liebe Gottes zu uns und es ist der unergründliche weise Rat, daß diese Liebe uns gewinnt und rettet. Weil aber
dieses Kind Gottes eigener Wunder – Rat ist, darum ist es auch selbst eine Quelle aller Wunder und alles Rates. Wer in Jesus das Wunder des Sohnes Gottes erkennt, dem wird jedes seiner Worte und jede Tat zum Wunder, er findet bei ihm in allen Nöten und Fragen letzten, tiefsten, hilfreichsten Rat. Ja, bevor das Kind seine Lippen auftun kann, ist es voller Wunder und voller Rat. Geh zum Kind in der Krippe, glaube in ihm den Sohn Gottes und du findest in ihm Wunder über Wunder, Rat über Rat."

Wunder-Rat ist der Ursprung der Weihnacht. Dass wir das Ungewöhnliche und Unglaubliche wieder mehr wahr- und ernstnehmen, wünsche ich uns beim Blick in die Krippe. Viel zu viel ist in unserem Alltag zur Selbstverständlichkeit verkommen und die winzigen Wunder werden nicht wahrgenommen. Weihnacht lädt ein, das Sehvermögen unseres Herzens zu schärfen.

Der zweite Buchstabe ist ein E: Was wäre die Weihnacht ohne die Engel, sie haben die Botschaft von der Geburt des Wunder- Rates erst unter die Leute gebracht, die Boten Gottes. Sie werden auch 2000 Jahre später noch gebraucht. Eine Umfrage unter sechs- bis zwölf-Jährigen zum Sinn des Weihnachtsfestes fällt enttäuschend aus. 39 Prozent hatten überhaupt keine Ahnung, warum wir Weihnachten feiern. Es  wurde vermutet, dass der Winter gefeiert wird oder der Tod des Weihnachtsmannes. Immerhin waren 15 Prozent auf der richtigen Spur, dass es etwas mit Jesus zu tun haben müsse.

Wie damals braucht es Engel, die das Evangelium, die frohe Botschaft, verkünden. Und Engel, das wissen wir schon lange, sind auch wir, wir, das Bodenpersonal Gottes. Evangelisch dazu – also geradezu prädestiniert, das Evangelium zu erzählen… Um Kindern und Jugendlichen etwas von unserem Glauben, vom Kernstück unserer Persönlichkeit zu erzählen, braucht es nicht einmal sonderlich viel Mut. Kinder sind offen und neugierig und dankbar, wenn man sie betankt mit Infos und Wissen. Gerade die evangelische Kirche hat einen Bildungsauftrag, wie zum Beispiel sollen die nächsten Generationen die Bilder hier in unserer Kirche richtig deuten, wenn es ihnen niemand beigebracht hat, dass ein Engel Maria sagt, dass sie Gottes Sohn zur Welt bringen wird und dass Engel den Hirten das Ehre sei Gott in der Höhe singen.

Und auch viele Erwachsene können nicht viel mit dem Glauben anfangen, auf den sie getauft sind. Hier
ist seitens der Engel etwas mehr Innovation gefordert, doch auch hier kann man mit Neugier und Reflexionsbereitschaft rechnen. Natürlich, wir wollen an Weihnachten keine moralischen Appelle hören, sind wir doch selbst alles Bedürftige. Aber so viel ist klar: Engel begegnen jedem von uns. Man muss eben nur auf Empfang eingestellt sein. Wie damals Maria oder die Hirten. Und es gehört zu den guten Weihnachtstraditionen zu teilen, mitzuteilen. Das E für den Engel und das evangelisch nehmen wir mit in diese Weihnacht.

I ist ein schwieriger Buchstabe in der Weihnacht. I-Ah schreit der Esel, tiefsinniger ist aber vielleicht der Ilex. Das ist die botanische Bezeichnung der Stechpalme, die in England und Skandinavien häufig zu weihnachtsdekorativen Zwecken verwendet wird und auch hier zu Lande immer öfter in Sträußen und Gestecken zu entdecken ist. Ihre Farben – grüne Blätter und rote Beeren – versinnbildlichen Hoffnung
und Liebe und im Christentum Leben und Blut. Wegen ihrer immergrünen Blätter ist sie Symbol ewigen Lebens.
Hoffnung und Liebe sind weihnachtliche Kernbotschaften, ans ewige Leben denken wir am Heiligenabend vielleicht eher nicht.

Doch allzu gerne verweise ich dann auf die fünfte Strophe des bekannten Liedes „Ihr Kinderlein kommet“: O betet: Du liebes, du göttliches Kind, was leidest du alles für unsere Sünd! Ach hier in der Krippe schon Armut und Not, am Kreuze dort gar noch den bitteren Tod. Theologisch korrekt ist Weihnachten kein romantisches Geburtstags-Fest der Geschenke und Esslust, zu dem wir es ja gern stilisieren, vielmehr liegt der Schatten des hölzernen Kreuzes bereits auf der hölzernen Krippe. Geburt und Tod und damit auch die Auferstehung als letzte Konsequenz werden immer zusammen gedacht. So kann es gut tun, neben all den schönen Annehmlichkeiten des Festes, auch über den Tellerrand hinaus den Zuspruch zu hören: Liebe, Hoffnung
und ewiges Leben in der Geborgenheit unseres Gottes. Versinnbildlicht im Ilex, der Stechpalme.

Darauf singen wir ein fröhliches Halleluja, das uns den nächsten Buchstaben verrät. Heim, Heimlichkeiten,
Heiligkeit, Helligkeit, denn mit Jesus kommt das Licht der Welt in unsere Nacht. Nicht umsonst haben die Christen Jesu Geburt auf das Datum der Wintersonnwende verlegt. In der Zeit der längsten Nächte braucht es Erbauung und Erleuchtung. Jesus wird ja auch häufig mit der Sonne verglichen, er bringt Wärme, Helligkeit und Leben mit sich. So kennen wir es aus dem Lied „Macht hoch die Tür“, wo es heißt: Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn. Es ist ein wunderbarer Gedanken, dass für Christenmenschen Weihnachtszeit Sommerzeit ist. Im Sommer sitzen wir gelassen und entspannt in der Sonne, saugen das helle Licht in unsere Seele auf, fühlen uns beim Anblick der Bäume, des blauen
Himmels, der zwitschernden Vögel wohl. Dieses Gefühl soll sich in der Heiligen Nacht in unseren Herzen einstellen und das Halleluja geradezu aus uns herauskitzeln.

Das N in Weihnacht erinnert uns an den Nikolaus und der wiederum an die Nächstenliebe. Um seine Person ranken sich ganz verschiedene – manche auch nicht sehr appetitliche – Legenden. Unser heutiger Brauch, Kindern kleine Geschenke in ihren Schuhen zu hinterlassen, geht auf eine gute Tat des Nikolaus zurück, indem er drei junge Frauen davor bewahrte, sich aufgrund der Armut ihres Vaters prostituieren zu müssen. An drei aufeinanderfolgenden Nächten wirft er drei Klumpen Gold in die Zimmer der Mädchen und erhält die Integrität der Familie. Der Heilige Abend gibt uns vielleicht einen Impetus, an einen oder mehrere Menschen zu denken, die unsere Liebe oder Aufmerksamkeit, unsere Zuwendung auch materieller Natur brauchen könnten.

Wer es handfest mag, nimmt das N dieser Predigt vielleicht zum Anlass, einen Menschen zu besuchen, ihm ein Licht mitzubringen, jemanden endlich anzurufen, wo sonst immer etwas dazwischen kam, ein Spende zu machen oder für jemanden zu kochen oder zu backen. Etwas zu tun, was völlig uneigennützig ist und nur das Wohl des Gegenübers im Blick hat. Wer lieber im Abstrakteren bleiben möchte, fühle sich angeregt, der Bedeutung von Liebe deinen Nächsten wie dich selbst nachzuspüren. Darüber ließe sich freilich eine eigene
Predigt formulieren, wichtig ist an dieser Stelle vielleicht die Frage, ob ich ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der Zuneigung zu anderen und der Liebe zu mir selbst habe. Wenn die Waagschale in eine Richtung kippt, ist es immer ungesund. Das Kind in der Krippe regt höchst selbst dazu an, dass wir uns auch Gott zuwenden – ein wesentlicher Bestandteil, der Nächsten- und Selbstliebe.

Bei A sind wir schnell beim Advent, das Wort, das nichts anderes sagt, als dass Jesus auf der Erde ankommt. Die Ankunft eines Säuglings, schreiend und strampelnd, wunderbar und frisch, ängstlich und schutzbedürftig. Die Ankunft des Babys ist Zeichen des Neu-Anfangs: ein Neubeginn zwischen Gott und den Menschen. Denn Gott geht auf Tuchfühlung. Er tauscht den himmlischen Thron gegen den stinkenden Stall, er wechselt die Krone gegen die Windel, er zwängt sich in eine leibliche Hülle, die empfindet und empfindlich ist, Gott selbst riskiert alles, um genau zu wissen, wie es uns, seinen Geschöpfen, geht. Ankunft unter uns, einer von uns. Gottes Akt größter Solidarität und Zuwendung. Ein A wie Abenteuer.

Christus der Retter ist da. Das Wesentliche am Buchstaben C. Weil wir in Jesus den Christus erkennen, den Gesalbten Gottes, feiern wir überhaupt Weihnachten. Der Engel auf dem Feld verkündet es: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Daraufhin gibt’s natürlich wieder ein schallendes Halleluja. Das wir ja bereits ausführlich bedacht haben.

Bleibt das T wie Tannenbaum, Türchen öffnen, Tradition. Aber in seiner optischen Gestalt, nimmt das T wieder das Kreuz auf. Es ist wichtig, dass wir schöne, ausgelassene Feste des Lebens feiern, es ist wichtig, dass wir uns beschenken und gemeinsam essen und lachen. Ebenso wichtig ist es aber, dass wir den Tiefgang unseres Glaubens nicht aufopfern für Bequemlichkeit und Oberflächlichkeit. Wenn Ihnen das Kreuz am Heiligen Abend nicht so recht in Ihre Stimmung passt, dann deuten sie es doch einfach als großes PLUS Zeichen. Gott setzt eine weitere Verbindung zwischen sich und den Menschen – durch sein PLUS überwindet er Leid und Tod. Eine frohe Botschaft, die immer ihre Berechtigung hat.

So ist sie nun buchstabiert, die Weihnacht. Vielleicht können Sie etwas davon für sich gebrauchen, vielleicht eine Sachinfo, die Ihnen nicht bekannt war, vielleicht eine konkrete Anregung zum praktischen Handeln, vielleicht die Idee, sich manchmal Zeit zu nehmen, Begriffe unseres Glaubens zu buchstabieren. Bitte bedienen Sie sich und nehmen mit, was in Ihre Weihnacht passt.

Und der Friede unseres Gottes sei mit uns – heute und in allen Nächten.
Amen.

So, 22.Apr.2018 - 18:00

Carl Orff: Carmina Burana

Idsteiner Kantorei mit Kinderchor
Di, 24.Apr.2018 - 17:00

Gottesdienst im Vinzenz von Paul-Haus

Pfr. Seinwill und Team
Mi, 25.Apr.2018 - 16:00

Kinder-Projektchor für das „Danke“-Musical zum Sommerfest

Gemeindehaus
Mi, 25.Apr.2018 - 20:00

Kantoreiprobe

Erste Probe für "The Armed Man" von Karl Jenkins
So, 29.Apr.2018 - 10:30

Gottesdienst mit Taufe und Vorstellung der Konfirmanden

Unionskirche - Pfrin. Dr. D. Opel-Koch, Pfr. Dr. T. Leppek und Team

Carl Orff: Carmina Burana

Idsteiner Kantorei mit Kinderchor

Beginn:
So, 22.Apr.2018 um 18:00
Ende:
So, 22.Apr.2018 um 19:00

Gottesdienst im Vinzenz von Paul-Haus

Pfr. Seinwill und Team

Beginn:
Di, 24.Apr.2018 um 17:00

Kinder-Projektchor für das „Danke“-Musical zum Sommerfest

Gemeindehaus

Beginn:
Mi, 25.Apr.2018 um 16:00

Kantoreiprobe

Erste Probe für "The Armed Man" von Karl Jenkins

Beginn:
Mi, 25.Apr.2018 um 20:00
Ende:
Mi, 25.Apr.2018 um 22:00

Gottesdienst mit Taufe und Vorstellung der Konfirmanden

Unionskirche - Pfrin. Dr. D. Opel-Koch, Pfr. Dr. T. Leppek und Team

Beginn:
So, 29.Apr.2018 um 10:30

Losung

Losung und Lehrtext für Sonntag, 22. April 2018:

Auf dich, HERR, mein Gott, traue ich! Hilf mir von allen meinen Verfolgern und errette mich.
Psalm 7,2

Jesus betet: Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen.
Johannes 17,15

Dankbarkeit ist eine innere Haltung, die unser Leben besser gelingen lässt! Wer dankbar auf sein Leben blickt, ist erstaunt, wie oft es Grund gibt, dankbar zu sein. Wir in der evangelischen Kirchengemeinde Idstein schauen mit Dankbarkeit auf die gelungene Renovierung der Unionskirche, auf die vielen Menschen, die uns so großartig unterstützt haben. Wir haben einen großen Schatz an kreativen und engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und freuen uns über alle, die uns kennen lernen und ihren Glauben mit uns leben wollen.

Am 7. Januar 2018 wird das „Jahr des Dankes“ im Gottesdienst um 10.30 Uhr eröffnet. Herzliche Einladung
hierzu und zu unseren vielfältigen Veranstaltungen im Jahr 2018!